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Was bedeutet Risikotoleranz?

Stand: Redaktion governance-risk-and-compliance.de

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Risikotoleranz (auch Risiko-Toleranz geschrieben) bezeichnet das Maß an Unsicherheit, Schwankung oder Verlust, das eine Person oder Organisation bei ihren Entscheidungen zu akzeptieren bereit ist. Im Finanzwesen beschreibt sie, wie viel Wertschwankung und möglichen Verlust ein Anleger bei seinen Geldanlagen hinnimmt. Im Risikomanagement von Unternehmen steht sie für die zulässige Abweichung von einem gesetzten Ziel oder Risikoniveau.

Die Risikotoleranz ist subjektiv. Sie hängt von persönlichen, psychologischen und finanziellen Umständen ab und bestimmt maßgeblich, welche Anlagestrategie oder welche Risikogrenzen zu jemandem passen. In Unternehmen werden Risikoappetit und Toleranzgrenzen in einem Risk Appetite Framework festgelegt.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

  • Risikofähigkeit oder Risikotragfähigkeit misst objektiv, wie viel Verlust eine Person oder Organisation verkraften kann, ohne in ihrer Existenz gefährdet zu sein, etwa nach Vermögen und Einkommen. Die Risikotoleranz beschreibt dagegen, wie viel Risiko jemand eingehen will und emotional aushält.
  • Risikobereitschaft und Risikoneigung werden oft gleichbedeutend verwendet. Genau genommen meinen sie die allgemeine Einstellung zu Risiken, während Risikotoleranz die konkrete Akzeptanz von Verlusten beschreibt.
  • Risikoappetit ist das Risikoniveau, das eine Organisation aktiv in Kauf nimmt, um ihre Ziele zu erreichen. Die Risikotoleranz legt fest, wie weit das tatsächliche Risiko davon abweichen darf. Sie lässt sich oft in Zahlen fassen. Mehr dazu im Beitrag zum Risikoappetit.

Wie eng die Begriffe zusammenhängen, zeigt die Anlageberatung: Nach § 64 Abs. 3 Wertpapierhandelsgesetz müssen Wertpapierdienstleistungsunternehmen vor einer Empfehlung unter anderem die Anlageziele des Kunden einschließlich seiner Risikotoleranz sowie seine Fähigkeit, Verluste zu tragen, erfragen. Empfohlen werden darf nur, was zu beidem passt.

Risikotoleranz bei der Geldanlage

Was die Risikotoleranz beeinflusst

  • Alter und Anlagehorizont: Wer lange anlegen kann, kann zwischenzeitliche Kursschwankungen eher aussitzen.
  • Finanzielle Ziele, vorhandenes Vermögen und Einkommenssituation.
  • Erfahrungen und Emotionen: Die Reaktion auf frühere Verluste und Marktschwankungen prägt, wie viel Risiko jemand erträgt.
  • Wirtschaftslage: In guten Marktphasen fühlen sich viele mit riskanteren Anlagen wohler, in unsicheren Zeiten werden sie vorsichtiger.

Zwei Beispiele

Eine Anlegerin Anfang 30 mit stabilem Einkommen, ohne kurzfristige Zahlungsverpflichtungen und mit langem Anlagehorizont entscheidet sich für ein Portfolio mit hohem Aktienanteil. Das spricht für eine hohe Risikotoleranz. Ein Anleger kurz vor dem Ruhestand, der auf sein Erspartes angewiesen ist und ein sicheres Einkommen bevorzugt, setzt dagegen vor allem auf Anleihen und Geldmarktfonds. Seine Risikotoleranz ist niedrig.

Die eigene Risikotoleranz einschätzen

  • Fragebögen zur Risikotoleranz, wie sie Banken und Finanzberater einsetzen.
  • Klarheit über finanzielle Ziele und den Zeitraum, in dem sie erreicht werden sollen.
  • Ehrliche Prüfung, wie man auf Kursrückgänge und Vermögensverluste reagiert hat oder reagieren würde.

Realismus ist dabei wichtiger als Optimismus. Eine überschätzte Risikotoleranz führt zu Anlagen, deren Verluste in schwachen Marktphasen nicht mehr tragbar sind. Eine zu vorsichtige Einschätzung kann dagegen langfristige Ziele verfehlen, weil sicherere Anlagen in der Regel geringere Renditen bringen. Weil sich Lebensumstände und Ziele ändern, sollte die Einschätzung regelmäßig überprüft und die Anlagestrategie bei Bedarf angepasst werden.

Risikotoleranz im Risikomanagement von Unternehmen

Auch Unternehmen legen fest, welche Abweichungen sie hinnehmen. Aus dem übergeordneten Risikoappetit werden Toleranzgrenzen für einzelne Risiken, Geschäftsbereiche oder Kennzahlen abgeleitet, zum Beispiel ein maximaler Verlust je Geschäftsfeld oder eine zulässige Ausfallzeit eines Systems. Werden diese Grenzen erreicht, greifen festgelegte Risikomanagement-Maßnahmen und Meldewege. Überwacht werden sie häufig mit Key Risk Indicators. Die Obergrenze bildet dabei immer die Risikotragfähigkeit des Unternehmens.

Häufige Fragen zur Risikotoleranz

Was versteht man unter Risikotoleranz beim Investieren?

Sie beschreibt, wie viel Schwankung und möglichen Verlust eine Person bei ihren Geldanlagen ertragen kann und will. Davon hängt ab, welche Anlageprodukte zu ihr passen.

Warum ist die Risikotoleranz für die Anlagestrategie wichtig?

Sie bestimmt, wie ein Portfolio zusammengesetzt wird, damit es weder zu riskant noch zu vorsichtig für die eigenen Ziele ist. Eine passende Strategie verringert die Gefahr, bei Marktschwankungen unüberlegt zu handeln.

Verändert sich die Risikotoleranz im Laufe des Lebens?

Ja. Lebensphasen, Erfahrungen und finanzielle Verhältnisse ändern sie. Jüngere Anleger haben oft eine höhere Risikotoleranz, die mit nahendem Ruhestand oder nach Ereignissen wie einer Familiengründung sinken kann.

Wie wirkt sich eine niedrige Risikotoleranz aus?

Wer wenig Risiko verträgt, wählt meist schwankungsarme Anlagen wie Staatsanleihen oder Festgeld. Sie schützen vor großen Verlusten, bringen aber in der Regel geringere Renditen und weniger langfristiges Wachstum.

Kann eine zu hohe Risikotoleranz schaden?

Ja, wenn sie zu Anlagen führt, die über das finanziell Tragbare hinausgehen. Bei Kurseinbrüchen können dann erhebliche Verluste entstehen. Deshalb gehört neben der Risikotoleranz immer die Fähigkeit, Verluste zu tragen, in die Betrachtung.

Welche Rolle spielen Emotionen?

Eine große. Starke Reaktionen auf Marktschwankungen verleiten zu spontanen Entscheidungen, die nicht zur eigentlich festgelegten Risikotoleranz passen. Langfristige Ziele, eine breite Streuung der Anlagen, regelmäßiges Zurückführen auf die geplante Aufteilung (Rebalancing) und automatisierte Sparpläne helfen, solche Entscheidungen zu vermeiden.

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